erlkönig (korrekturen)
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ERLKÖNIG (Korrekturen)
Über Gedichte, Vögel, first Ladies und Tarnungen/Muster.
Ein Erlkönig kann vieles sein: eine Ballade, ein Musikstück, ein
Tarnmuster – oder ein Vogel.
Doch wie sehen die Ureier der Dichtung aus?
Und wie ihre Vögel, ihre Nachkommen, ihre Mütter?
Sind sie repräsentativ oder wertvoll, gereimt oder ungereimt?
Und muss ein Erlkönig eigentlich auf Deutsch sprechen?
Wieso wird eine Ballade mit so tragischem Ausgang ein getarnter Prototyp?
Wie stellt sich der Zwischenraum von Gefühl und Vernunft dar?
Die Ausstellung nähert sich dem polysemen Begriff des Erlkönigs
assoziativ und über Verschiebungen. Sie folgt seinen Bedeutungen nicht linear, sondern lässt sie ineinander übergehen: vom Gedicht
zum Muster, vom Text zum Tier, vom Original zur Korrektur, vom Sichtbaren zum Verborgenen.
Gedichtgeräte in denen Korrekturen, Streichungen und Überarbeitungen nicht verborgen, sondern sichtbar gemacht werden. Das Gedicht wird zum Objekt, dessen Entstehung ebenso lesbar ist wie sein fertiger Zustand. Zwischen ursprünglicher Setzung und nachträglicher Veränderung entsteht ein Zwischenraum – eine Art literarische Tarnung.
Andere Arbeiten übersetzen Wald, Elfen und Tiere in farbcodierte Muster. Was zunächst abstrakt erscheint, lässt sich als System von Zeichen lesen: Tarnung und Darstellung fallen zusammen. Das Muster verbirgt und repräsentiert zugleich.
Auch First Ladies tauchen auf: Momentaufnahmen von Repräsentation, Inszenierung und öffentlicher Erscheinung treffen auf das Flüchtige und Zufällige des fotografischen Moments. Wer repräsentiert hier eigentlich wen?
Und schließlich wird selbst das Geld zum Tarnmaterial.
Tarnmuster aus Geld verschieben den Blick zwischen Wert, Oberfläche und Verbergen. Was als kostbar gilt, wird zum Muster; was sichtbar sein soll, dient zugleich der Verschleierung.
So wird der Erlkönig weniger zu einer einzelnen Figur als zu einer
Methode des Sehens: ein Wort, das seine Bedeutung wechselt; ein Bild, das sich tarnt; ein Gedicht, das seine eigene Herstellung offenlegt; ein Tier, das im Muster verschwindet; eine Repräsentation, die plötzlich zufällig erscheint. Die Ausstellung überlegt, was sich hinter einer Form (ein Wort) verbirgt – und ob das Verborgene nicht immer schon Teil dessen ist, was wir sehen.
Der Erlkönig, Zufall oder Zauberei?